Pflege-Workshops: fokussiert und interdisziplinär

Das thematische Spektrum der Workshops für Pflege- und Gesundheitsfachberufe ist breit, der Fokus liegt auf praxisnahen Inhalten. Dauer: je 120 Minuten (wenn nicht anders angegeben). Alle Workshops sind in Verbindung mit einer Kongressanmeldung über das Buchungsportal buchbar und zusätzlich kostenpflichtig.

24.11.2021 | 13:00–15:00 Uhr 

PWS-301 Wie gelingt die Zusammenarbeit im multiprofessionellen Team?

Vorsitz: Jörg Signerski-Krieger, Franz-Peter Begher

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Das gemeinsame Wirken unterschiedlicher Akteure ist in der psychiatrischen Behandlung der zentrale Faktor für eine gelingende Behandlung. Das ist in der Theorie ebenso banal und allgemein anerkannt wie in der Umsetzung kompliziert und schwierig.

Die Komplexität in der Zusammenarbeit sehr unterschiedlicher Berufsgruppen mit eigener Kultur und fachlicher Herangehensweise, strukturell anspruchsvolle Zusammensetzungen und psychodynamische Teamprozesse stellen eine besondere Herausforderung an die interprofessionelle Planung und Durchführung von Behandlungsprozessen.

In dem Workshop sollen Erfahrungen ausgetauscht werden und die verschiedenen Einflussfaktoren systematisch beleuchtet werden:

  • Klinikhierarchien vs. Arbeiten auf Augenhöhe
  • Rollen und Aufgaben in einer patientenorientierten Behandlung
  • Juristische Aspekte und Rahmenbedingungen der Arbeit
  • Erstellen eines Gesamtbehandlungsplan und interdisziplinäre Therapiezielplanung
  • Kommunikation und Information
  • Klinikstrukturen: Stationsgebunden und -stationsübergreifend
  • Terminmanagement und Überschneidungen
  • Trialogischer Prozess und Partizipation
PWS-302 Innovative Pflegepraxis: Das Trainee-Programm in psychiatrischer Pflege

Vorsitz: Jacqueline Rixe

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In Zeiten von Pflegemangel und Unterbesetzung sind gute Konzepte für Berufseinsteiger/-innen und deren berufliche Entwicklung notwendig. In der Psychiatrie werden spezifische Kompetenzen und Fähigkeiten benötigt, um eine evidenzbasierte Versorgung und die Durchführung komplexer Interventionen zu ermöglichen. Um diesen Anforderungen gerecht zu werden, wurde ein innovatives Einarbeitungsprogramm für Pflegefachpersonen entwickelt und 2018 in einer psychiatrischen Abteilung initiiert (Pöschel et al. 2018, Rixe et al. 2019).

Das Trainee-Programm in psychiatrischer Pflege (TiPP) ist ein Praxisprojekt, das der Rekrutierung und Weiterentwicklung von Pflegefachkräften in akuten psychiatrischen Einrichtungen dient. Darüber hinaus trägt es dazu bei, längerfristige Personalengpässe auszugleichen. Als indirekte Folge kann auch von einer verbesserten Pflegequalität ausgegangen werden.

Das Programm ist auf 8-12 Monate ausgelegt und besteht im Wesentlichen aus drei Komponenten: die praktische Einarbeitung in verschiedenen Praxisbereichen der psychiatrischen Pflege, das Schulungsprogramm und die Reflexion/das Mentoring. Die Konzeption und die Durchführung werden von verschiedenen Pflegeakteuren/-innen aus Management, Entwicklung und Forschung verantwortet. Um das Programm stetig zu verbessern, wurde es als lernendes System konzipiert, das mit einer differenzierten, formativen Evaluation einhergeht.

Hinsichtlich der Personalrekrutierung lässt die Anzahl der Bewerberinnen und Bewerber für das Programm Rückschlüsse auf die Zielerreichung und den Erfolg des Programms zu: Bis Dezember 2019 haben sich insgesamt 33 Pflegefachkräfte explizit für das Programm beworben, 21 davon sind bereits angestellt. Das Alter der Trainees liegt zwischen 22 und 46 Jahren (M = 27,1). 10 Trainees haben das Programm bereits abgeschlossen und berichten über eine hohe Zufriedenheit mit dem Programm. Die Kompensation von längerfristigen Krankheits-ausfällen wurde durch das Programm deutlich stabilisiert. Eine Zwischenauswertung zeigt eine spürbare Entlastung der Pflegefachpersonen auf den verschiedenen Stationen.

Die formative Evaluation hat bereits einige Verbesserungen des Programms im Interesse der Trainees ermöglicht (z.B. bezüglich der Inhalte und des didaktischen Ansatzes an den theoretischen Ausbildungstagen). Insgesamt weist die Evaluation auf den Erfolg des Programms hin, lässt aber keine konkreten Rückschlüsse auf die Durchführung von komplexen Interventionen und die Verbesserung der Pflegequalität zu. Eine vertiefende Evaluation ist angezeigt.

Ablauf:

Impulsvortrag (Hintergrund, Aufbau und Inhalte des Programms, Vor- und Nachteile)

Diskussion im Plenum, Klärung von Fragen

Literatur:

Pöschel et al. (2018). Traineeprogramm Psychiatrische Pflege – Neue Wege zur Fachkräftegewinnung und -bindung. Pflegezeitschrift, 71(12), 13-15.

Rixe et al. (2019). Reflexion in der psychiatrischen Pflege – Der Schlüssel für Lern- und Entwicklungsprozesse. Psychiatrische Pflege, 4(4), 23-27.

24.11.2021 | 13:00–14:00 Uhr 

PWS-303 Digitale Fototherapie

Vorsitz: Kathrin Seifert

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Ziel des Workshops ist, die Teilnehmer mit Theorie und Praxis der Fototherapie vertraut zu machen. Fotografien sind Manipulationen der Realität und stehen im engen Zusammenhang mit individuellen Wahrnehmungsfähigkeiten. Sie bieten Möglichkeiten für Projektionen, besitzen eine hohe subjektive Bedeutung und sind eingebettet in einen narrativen Kontext. Obwohl die ersten klinischen Anwendungen der Fotografie bereits 1852 öffentlich gezeigt wurden, geht die Entstehung der wissenschaftlichen Fototherapie auf die 1970er Jahre zurück. Praktische Anwendungen sind derzeit selten. Die Verwendung des fotografischen Mediums in der Kunsttherapie liegt in den Anfängen. In der Behandlung depressiver Patienten konnte jedoch gezeigt werden, dass überhöhte künstlerische (Selbst-­) Anforderungen durch das technische Medium umgangen und Blockaden gelöst werden konnten. Gleichzeitig eröffnen sich hierdurch Möglichkeiten der biografischen Arbeit, die mit medial vermittelten Alltagserfahrungen verknüpft sind. Die im Rahmen einer multimodalen Behandlung durchgeführten fototherapeutischen Interventionen folgten einem von der Autorin entwickelten 3­‐phasigen Modell. Die begleitende Evaluation erfolgte als eine qualitativ/quantitative Feldstudie. Die Ergebnisse zeigen, dass die fototherapeutische Behandlung zur Abnahme von Depressionssymptomen, zu einer signifikanten Steigerung kognitiver Leistungen sowie zu einer signifikanten Veränderung des emotionalen Erlebens geführt hat. Die Fotografienboten Möglichkeiten für individuelle Projektionen im Umgang ihrer Erkrankung. Im Workshop werden sowohl historische Meilensteine der Fototherapie als auch neueste Entwicklungen thematisiert. Wesentliche Therapiebausteine des evaluierten Programms, welches 2018 von der DGPPN ausgezeichnet wurde und in der S3 Leitlinie für schwere psychische Erkrankungen als hilfreich bezeichnet wird, werden praktisch erprobt.

Bitte Fotoapparat bzw. Handy mit Fotofunktion, Überleitungskabel und Stick mitbringen.

Zielgruppe: Ärzte, Psychologen, Vertreter von Gesundheitsfachberufen insbes. Künstlerische Therapeuten, Studenten

Literatur:

2019 Seifert K: Aus der Wissenschaft. CHIP. Foto Video 12/2019

2018 Malchiodi CA: The Handbook of Art Therapy and Digital Technology. Jessica Kingsley Publisher London and Philadelphia

Seifert K: Therapeutic photography in the treatment of patients with depression in a clinical setting: Development and evaluation of an experimental model. In: Zubala A, Karkou V (Eds.) Arts Therapies in the Treatment of Depression. 1st ed. International Research in the Arts Therapies. Routledge, London

2015 Seifert K: Studie zur Anwendung und Evaluation eines fototherapeutischen Behandlungsmodells für Patienten mit unipolaren Depressionen in der klinischen Versorgung. Zeitschrift für Musik-­‐, Tanz-­‐und Kunsttherapie 26(2), S 88-­‐102

2014 Seifert K: The effect of photo-­‐therapy in the treatment of depression in an inpatient setting: research findings from a study conducted at the clinic for Psychiatry and Psychotherapy at the University Hospital in Bonn. ATOL: Art Therapy OnLine, 5(1)

2013 Seifert K: Kunsttherapie bei Patienten mit unipolaren Depressionen im klinischen Bereich: Entwicklung, Durchführung und Evaluation eines fototherapeutischen Behandlungsmodells. Richter, Köln.

25.11.2021 | 13:00–15:00 Uhr 

PWS-304 Pflege in der stationsäquivalenten Behandlung

Vorsitz: Johannes Kirchhof

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Hintergrund: Die psychiatrische Arbeit außerhalb der Klinik ist für die meisten Pflegepersonen Neuland. Mit dem Workshop wird Wissen über die Grundlagen und die praktische Arbeit vermittelt.

Ablauf: Zunächst werden die Erfahrungen verwandter Modellprojekte und die gesetzlichen Rahmenbedingungen vorgestellt. Dann werden organisatorische Erfordernisse und Umsetzungsmöglichkeiten, sowie die Ergebnisse der Evaluation der Pilotphase erörtert. Schließlich werden verschiedene Interventionen vorgestellt und praktisch erprobt. So wird erfahrbar, dass sich

die Wirkfaktoren therapeutischer Interaktion (Grawe 2005) im persönlichen Lebensumfeld besser und nachhaltiger zur Entfaltung bringen lassen.

Lernziele: Subjektiver und objektiver Bedarf, Präferenzen der PatientInnen, Organisation, Inhaltliches Arbeiten

PWS-305 „selbstWIRKSAM“ – Selbstwirksamkeit in der Ergotherapie stärken

Vorsitz: Diana Lechleiter

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Die Stärkung der Selbstwirksamkeit bei psychisch kranken Erwachsenen unter Berücksichtigung aktueller Evidenz steht im Mittelpunkt des ergotherapeutischen Konzeptes. Die Behandlungsdauer und die Häufigkeit einer erneuten Behandlung sollen langfristig reduziert werden. Zudem entsteht eine neue Perspektive des ergotherapeutischen Handelns und der therapeutischen Zielsetzungen. Das Konzept vereint Wissen verschiedener ergotherapeutischer Bezugsdisziplinen zu einem konkreten Therapiekonzept mit vier Therapiebausteinen. Weitere Elemente, zusammengefasst in Reflexion und Lebensweltbezug, ergänzen das Angebot.

Ein ständiger individueller Alltagsbezug spielt in jedem Element eine zentrale Rolle. Der Evidenzlage entsprechend, ergeben sich für die Behandlung der Klienten positive Veränderungen aus einer verstärkten Einbeziehung der Selbstwirksamkeit in die Therapie.

Neben der Individualität der Klienten, wird auch die Individualität des Therapeuten berücksichtigt. Der Therapeut/die Therapeutin erlebt sich in einer neuen Rolle, nicht mehr als helfender, entscheidender Faktor, sondern viel mehr, entsprechend der Klientenzentrierung und des Empowerments, als Begleiter und Berater der Klienten. Das Konzept wird aktuell im stationären und teilstationären Setting implementiert.

Nach der Vorstellung des Konzeptes im Rahmen eines Symposiums beim vergangenen DGPPN Kongress, soll nun der Workshop die Möglichkeit bieten die gesammelten Praxiserfahrungen zu vermitteln und die Bausteine durch kurze Selbsterfahrungen kennenzulernen.

Die Relevanz der Thematik wird durch den ständigen Einbezug der Lebenswelten der Klienten innerhalb des Konzeptes im Bezug zum diesjährigen Kongressthema „Soziale Lebenswelt“ deutlich.

  • Vermittlung der Grundgedanken des Konzeptes „selbstWIRKSAM“
  • Kurze Einordnung in den theoretischen Kontext
  • Selbsterfahrung mit relevanten Assessments
  • Konkrete Beispiele zur Umsetzung im Arbeitsalltag
  • Vorstellung eines exemplarischen Wochenplans/Therapieablaufes
  • Möglichkeit zum Feedback und zur Diskussion – Relevanz des Konzeptes

 

25.11.2021 | 13:00–14:00 Uhr 

PWS-303 Digitale Fototherapie

Vorsitz: Kathrin Seifert

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Ziel des Workshops ist, die Teilnehmer mit Theorie und Praxis der Fototherapie vertraut zu machen. Fotografien sind Manipulationen der Realität und stehen im engen Zusammenhang mit individuellen Wahrnehmungsfähigkeiten. Sie bieten Möglichkeiten für Projektionen, besitzen eine hohe subjektive Bedeutung und sind eingebettet in einen narrativen Kontext. Obwohl die ersten klinischen Anwendungen der Fotografie bereits 1852 öffentlich gezeigt wurden, geht die Entstehung der wissenschaftlichen Fototherapie auf die 1970er Jahre zurück. Praktische Anwendungen sind derzeit selten. Die Verwendung des fotografischen Mediums in der Kunsttherapie liegt in den Anfängen. In der Behandlung depressiver Patienten konnte jedoch gezeigt werden, dass überhöhte künstlerische (Selbst-­) Anforderungen durch das technische Medium umgangen und Blockaden gelöst werden konnten. Gleichzeitig eröffnen sich hierdurch Möglichkeiten der biografischen Arbeit, die mit medial vermittelten Alltagserfahrungen verknüpft sind. Die im Rahmen einer multimodalen Behandlung durchgeführten fototherapeutischen Interventionen folgten einem von der Autorin entwickelten 3­‐phasigen Modell. Die begleitende Evaluation erfolgte als eine qualitativ/quantitative Feldstudie. Die Ergebnisse zeigen, dass die fototherapeutische Behandlung zur Abnahme von Depressionssymptomen, zu einer signifikanten Steigerung kognitiver Leistungen sowie zu einer signifikanten Veränderung des emotionalen Erlebens geführt hat. Die Fotografienboten Möglichkeiten für individuelle Projektionen im Umgang ihrer Erkrankung. Im Workshop werden sowohl historische Meilensteine der Fototherapie als auch neueste Entwicklungen thematisiert. Wesentliche Therapiebausteine des evaluierten Programms, welches 2018 von der DGPPN ausgezeichnet wurde und in der S3 Leitlinie für schwere psychische Erkrankungen als hilfreich bezeichnet wird, werden praktisch erprobt.

Bitte Fotoapparat bzw. Handy mit Fotofunktion, Überleitungskabel und Stick mitbringen.

Zielgruppe: Ärzte, Psychologen, Vertreter von Gesundheitsfachberufen insbes. Künstlerische Therapeuten, Studenten

Literatur:

2019 Seifert K: Aus der Wissenschaft. CHIP. Foto Video 12/2019

2018 Malchiodi CA: The Handbook of Art Therapy and Digital Technology. Jessica Kingsley Publisher London and Philadelphia

Seifert K: Therapeutic photography in the treatment of patients with depression in a clinical setting: Development and evaluation of an experimental model. In: Zubala A, Karkou V (Eds.) Arts Therapies in the Treatment of Depression. 1st ed. International Research in the Arts Therapies. Routledge, London

2015 Seifert K: Studie zur Anwendung und Evaluation eines fototherapeutischen Behandlungsmodells für Patienten mit unipolaren Depressionen in der klinischen Versorgung. Zeitschrift für Musik‐, Tanz-­ und Kunsttherapie 26(2), S 88-­‐102

2014 Seifert K: The effect of photo­‐therapy in the treatment of depression in an inpatient setting: research findings from a study conducted at the clinic for Psychiatry and Psychotherapy at the University Hospital in Bonn. ATOL: Art Therapy OnLine, 5(1)

2013 Seifert K: Kunsttherapie bei Patienten mit unipolaren Depressionen im klinischen Bereich: Entwicklung, Durchführung und Evaluation eines fototherapeutischen Behandlungsmodells. Richter, Köln.

25.11.2021 | 15:30–19:30 Uhr

PWS-306 Recovery in der forensischen Psychiatrie

Vorsitz: Susanne Schoppmann, Andrea Trost

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Die forensisch-psychiatrische Versorgung im deutschsprachigen Raum hat sich in den vergangenen Jahren entwickelt. Partizipative Behandlungsansätze erhalten zunehmend Bedeutung. Dennoch bleibt die forensische Psychiatrie gekennzeichnet von den Merkmalen und Auswirkungen der „totalen Institution“ (Goffmann, 1973), die Untergebrachten sind stigmatisiert als psychisch kranke, für die Gesellschaft gefährliche, Rechtsbrecher. Die Unterbringung ist unfreiwillig und bedeutet Freiheitsbeschränkung über einen nicht konkret kalkulierbaren Zeitraum. Der Maßregel-/Maßnahmenvollzug befindet sich im Spannungsfeld zwischen den hoheitlichen Aufgaben Besserung und Sicherung.

Wie kann den Untergebrachten in diesem Rahmen Hoffnung vermittelt werden, dass Genesung und Gefährlichkeitsreduktion möglich sind? Dass ein zufriedenstellendes, sinnerfülltes Leben in der Gesellschaft (wieder) erreichbar ist?

Die strukturellen Rahmenbedingungen erfordern einen kreativen Umgang und gestalterisches Denken, um eine Umgebung zu schaffen, die es Untergebrachten und Mitarbeitenden gleichermaßen erlaubt, ein größtmögliches Maß an Normalität zu leben und zugleich Sicherheit zu bieten. Die „totale Institution“ gilt es so zu gestalten, dass den Untergebrachten Rehabilitation, Krankheitsbewältigung und Gefährlichkeitsreduktion ermöglicht wird bzw. ein Leben in Würde und Hoffnung (Trost, 2018). Recovery, ein Ansatz aus der Betroffenenbewegung, der individuelle Krankheitsbewältigung, Eigenverantwortung und Hoffnung fokussiert, bietet den Rahmen für eine derartige Ausgestaltung des Maßregel-/Maßnahmenvollzugs, ein Fundament für die Beziehungsgestaltung und einen Bezugsrahmen für eine professionelle Grundhaltung.

Wie kann der Recovery-Ansatz in die Praxis des Maßregel-/Maßnahmenvollzug transferiert werden?

Recoveryorientierte Modelle und Konzepte wie z.B. das Good-Lives-Modell (Willis & Ward 2013), das Desistance-Konzept (Walsh 2016), das Safewards-Modell, die Adherencetherapie oder der Einbezug von Ressourcen und Schutzfaktoren im Risikomanagement finden zunehmend Verbreitung. Sie bedürfen jedoch der Modifikation für diesen Versorgungsbereich und die jeweiligen Behandlungsphasen (Winterberg & Needham, 2010). Erste praktische Erfahrungen zeigen gute Kombinationsmöglichkeiten der Phasen des Recoveryprozesses (Amering & Schmolke, 2012) und der Unterbringung (Bay, Wiemann & Schoppmann 2019).

Ablauf und Gestaltung

Im Rahmen des Workshops wird der Recovery-Ansatz mit seinen Chancen für die forensisch-psychiatrische Versorgung vorgestellt, Risiken und Limitationen werden diskutiert. Recoveryorientierte Modelle und Konzepte als handlungsorientierte Leitfäden und ihre praktische Umsetzung werden erörtert und Implementierungsmöglichkeiten erarbeitet.

Zielgruppe: Forensisch-psychiatrisch Tätige & Interessierte

Lernziele

  • Einblicke in das Thema „Recovery in der forensisch-psychiatrischen Versorgung“.
  • Recoveryorientierte Modelle/Methoden, deren Chancen und Limitationen kennenlernen, diskutieren.
  • Möglichkeiten zur Unterstützung von Recovery erkennen, ausarbeiten, Theorie-Praxistransfer herstellen mit Bezug auf die Phasen des Recoveryprozesses und der Unterbringung.

26.11.2021 | 13:00–15:00 Uhr 

PWS-307 Digitalisierung – nicht nur Segen manchmal auch Fluch: Ergotherapie im Rahmen der DBT – Emotionsregulation

Vorsitz: Maik Voelzke-Neuhaus

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Die Digitalisierung hat durchaus Vorteile, so bringt sie uns schneller mit anderen Menschen zusammen – ist ja alles nur einen Klick entfernt.

Allerdings sind diese Beziehungen deutlich kürzer und weniger intensiv als offline Bekanntschaften. Teilweise kommunizieren wir gar nicht wirklich miteinander, sondern nutzen den direkten, aber kurzlebigen Weg der Message über verschiedenste Dienste.

Für Menschen mit Schwierigkeiten der Emotionsregulation kann die zunehmende Digitalisierung durchaus massive Schwierigkeiten bedeuten.

Eine der größten Problembereiche ist der Bereich der sozialen Integration und der damit verbunden Emotionsregulation.

Beispielsweise wird der durchaus wohltuende Zustand des Alleinseins schnell mit der Emotion der Einsamkeit verwechselt, beziehungsweise gekippt schnell in diese Richtung. Es ist wahrscheinlich, dass Grundannahmen z. B. „Ich bin nicht liebenswert“ auftauchen und sich als sehr wahr anfühlen.

In der DBT werden die Patienten befähigt diese Gedanken wahrzunehmen und ihre persönlichen Grundannahmen kennenzulernen.  Gleichzeitig wird durch die Vermittlung von Fertigkeiten im Bereich Umgang mit Gefühlen versucht, den Patienten Möglichkeiten an die Hand zu geben, Emotionen auf ihren Wahrheitsgehalt zu überprüfen und in der Stärke so zu regulieren, dass sie sozial verträglich händelbar sind.

In diesem praxisbezogenen Workshop werden Möglichkeiten und Ideen vermittelt, wie die theoretischen Inhalte des Skillstrainings, speziell an der Emotion Einsamkeit, in der Ergotherapie praktisch vermittelt werden können.

PWS-308 ACT und BBAT: die Fusion physiotherapeutischer Methodik und psychotherapeutischer Konzeption in der psychiatrischen/psychotherapeutischen Praxis

Vorsitz: Rahel Bernhard-Wüest

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BBAT (Basic Body Awareness Therapy) hilft u. a Menschen mit chronischen Schmerzen, Angst- und Zwangsstörungen und Suchtproblematiken. Fehlt ihnen die Akzeptanz für die aktuellen Situationen, wird der Umgang mit dem eigenen Körper schwierig und das In-Kontakt-Treten mit dem sozialen Umfeld erschwert. Beim BBAT wird mit einfachen, ressourcenorientierten Bewegungen gelernt die aktuellen Vorgänge wertfrei wahrzunehmen und in Verbindung mit seiner Körpermitte, dem Atem- und Bewegungsfluss und der Stabilität (Körperlängsachse und Bodenkontakt) zu gelangen.

Wie bei ACT spielt auch in der BBAT die Präsenz eine große Rolle. Mit dem Stabilen Ich/ Beobachtenden Ich, welches in der BBAT nicht spezifisch so benannt wird und trotzdem ins ACT Konzept wunderbar integrierbar ist, werden nicht nur auf Körperebene die Empfindungen wahrgenommen, sondern auch die Gedanken und Gefühl bewusst gemacht und diese, mit dem Ziel der wertfreien Beobachtung, dann auch wieder losgelassen, im Sinne von Gedanken leicht nehmen. Ein Ziel ist es auch, dies in der Kommunikation in der Gruppe zu üben. Der werteorientierte Ansatz spiegelt sich in dem ressourcenorientierten Vorgehen wider. Es wird instruiert, sich innerhalb der eigenen Grenzen zu bewegen.

Im Rahmen dieses Workshops möchte ich die Verbindung der beiden Konzepte aufzeigen. Dabei beginnen wir mit einer praktisch durchgeführten Selbsterfahrungsstunde mit anschließendem Austausch. Nachdem ich dann die BBAT theoretisch erklärt habe, mit den Verbindungen zu ACT, werde ich nochmals eine Selbsterfahrungsrunde machen, damit Sie die nun entstehenden Unterschiede wahrnehmen können.

PWS-309 Gemeinsam an Wünschen und Zielen arbeiten: Strategien und Techniken zur personenzentrierten Zielformulierung

Vorsitz: Gianfranco Zuaboni

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Eine psychische Erkrankung erfordert von betroffenen Personen sich mit Themen der Gesundheit/Krankheit und deren Folgen auseinanderzusetzen. Dabei werden eigene Verhaltensweisen reflektiert und gegebenenfalls angepasst. Diese anzupassen, stellt grundsätzlich eine große Herausforderung dar. Unterstützend scheinen sich positiv formulierte Zielsetzungen auszuwirken.
Wurde ein Ziel gesetzt, kann das zu einer positiven Dynamik führen. Vergleichbar mit einem
Gummiband, das zwischen der Person und dem zukünftigen Ziel gespannt ist. Doch reicht es
aus, seine Ziele und Wünsche optimistisch und zuversichtlich zu beschreiben, um diese in der
Folge zu erreichen?

Problemstellungen
Der recovery-orientierte Ansatz erfordert von psychiatrischen Dienstleistungen, die
partnerschaftliche Zusammenarbeit zwischen den Fachpersonen und den Patientinnen und
Patienten zu fördern (1). Zentrale Werte dabei sind erweiterte Formen der selbstbestimmten
Partizipation und der Selbstfürsorge (2). Ein weiteres Merkmal recovery-orientierter Arbeitsweise ist die Unterstützung der von den Patientinnen und Patienten festgelegten Recovery-Ziele (3). Um individuelle und persönliche Wünsche und Ziele zu beschreiben ist es unabdingbar, dass Fachpersonen in der Lage sind, diesen Prozess mittels Techniken und Instrumenten zu unterstützen.
Pflegefachpersonen begegnen in ihrer Praxis mitunter Patientinnen und Patienten, die keine
Aussagen zu Wünschen und Zielen für die Zeiträume des Klinikaufenthaltes und darüber hinaus machen können. Was ist zu tun, respektive wie kann man mit diesen Personen ins Gespräch kommen? Wenn Ziele und Wünsche bezeichnet werden können, lohnt es sich, diese möglichst klar zu formulieren. Im Workshop wird neben den in der psychiatrischen Pflege etablierten Techniken (SMART, RUMBA & GAS) die WOOP-Strategie (4) vorgestellt. WOOP ist eine mentale, evidenzbasierte Strategie aus dem Fachbereich der positiven Psychologie, die in unterschiedlichen Bereichen eingesetzt wird. Die praktische Anwendung wird mittels einer kostenlosen App unterstützt.
Grundsätzlich können Pflegefachpersonen Patientinnen und Patienten bei der Formulierung ihrer Ziele wirksam unterstützen. Ergänzend zur Formulierung von Zielen ist es angezeigt sich
eingehend mit den möglichen Hindernissen bei der Zielerreichung auseinanderzusetzen und
entsprechende Strategien zu entwickeln.

Thema
Recovery-orientierte Intervention
Ziele
Im Workshop werden verschiedene Techniken und Vorgehensweisen zur Unterstützung bei der Zielformulierung und -erreichung vorgestellt. Die Teilnehmenden erhalten die Möglichkeit mittels Übungssequenzen praktische Erfahrungen zu sammeln.
 

Ablauf

  • Inputreferat
  • Praktische Übungen
  • Diskussion
  • Gestaltung

Die theoretischen Inhalte werden anhand eines Inputreferats vermittelt. Für die Übungssequenzen stehen Arbeitsvorlagen zur Verfügung. Die in der Diskussionsrunde gewonnenen Erkenntnisse der Teilnehmenden werden auf Flipchart visualisiert.
Zielgruppe: Pflegefachpersonen, psychiatrisches Fachpersonal, Erfahrene, Angehörige, Interessenten
 

Lernziele
- Unterschiedliche Techniken der Zielformulierungen kennenlernen
- Vorgehensweisen bei der gemeinsamen Zielformulierung kennenlernen
- Praktische Anwendung der Techniken
- Transfer in die eigene Praxis erkennen
 

PWS-310 „Heute hier, morgen dort, bin kaum da muss ich fort!“ – Wer bekommt was? Verteilungsgerechtigkeit bei knapper Ressourcen bei psychiatrisch Tätigen

Vorsitz: Stephan Bögershausen, Stefan Kliesch

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Ethische Fragen können entstehen, wenn jemand nicht genau weiß, wonach er seine Entscheidung ausrichten und verantworten soll:

  • Wer bekommt welche Hilfe, wie und warum zuerst?
  • Wer muss warten? Wonach kann ich meine Entscheidung ausrichten?
  • Was sind echte Kriterien bei Fragen der Verteilungsgerechtigkeit?
  • Wie Verantwortung unter beschränkenden Rahmenbedingungen gerecht werden?
  • Was kann ich tun, wenn ich Zweifel an einer Entscheidung habe?

Eine ethische Fallberatung kann helfen, eine Entscheidung auch in einer ausweglos erscheinenden Situation besser treffen und begründen zu können und mit „moral stress“ umzugehen.

Im Workshop wird das Lengericher Modell LeMo von ethischen Fallbesprechungen im Tandem Modell vorgestellt. Dabei wird aufgezeigt, wie das formale und inhaltliche Verfahren einer konkreten ethischen Einzelfallberatung verläuft. Folgende Aspekt werden thematisiert:

  • Antragstellung und Erstgespräch
  • Organisation der Fallbesprechung
  • Anforderung an die Moderation
  • Modell der Entscheidungsfindung
  • Umgang mit Konsens vs. Dissens
  • Abwägen und begründen
  • Dokumentation und Kommunikation der Empfehlung

Ferner wird auch die zusätzliche Beobachtungsperspektive durch die Methode des Reflecting Team präsentiert. Gerne können die Teilnehmer des Workshops einen eigenen Fall vorstellen, der gemeinsam bearbeitet und beraten werden kann.

27.11.2021 | 08:30–12:30 Uhr

PWS-311 Welche Erfahrungen und Erwartungen haben Angehörige psychisch erkrankter Menschen mit und an die psychiatrisch Tätigen?

Vorsitz: Stefan Rogge

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Vor über 20 Jahren, im Jahr 1997, veröffentlichte der österreichische Psychiater Heinz Katschnig et al. die Ergebnisse seiner 1993 durchgeführten Angehörigen-Befragung „Wie sie leben – wie sie leiden – wie sie hoffen“. Inspiriert durch diese Befragung wurde im Rahmen einer wissenschaftlichen Qualifizierungsarbeit abermals der Blick auf die Angehörigen gerichtet und diesmal unter dem Gesichtspunkt ihrer Erfahrungen und Erwartungen auf die psychiatrische Praxis und die in dieser Praxis Tätigen, betrachten.

Fragestellung: Im Rahmen der Veränderungen des deutschen Gesundheitswesens, so auch die Diskussion um PEPP, wird deutlich, dass die Versorgung psychisch erkrankter Menschen zunehmend in den politischen und medialen Fokus rückt. Die psychiatrische Versorgungspraxis sieht sich vielerlei Anpassungen und Veränderungen ausgesetzt. Die forcierte Professionalisierung der psychiatrisch Pflegenden, die Inklusion psychisch erkrankter Personen in diese Versorgungspraxis (Ex-In, Genesungsbegleitung), zunehmend kritische Grundhaltung gegenüber primär psychopharmakologisch ausgerichteter Therapie und der o.g. politisch gewollten Reduzierung der Kosten in der Versorgung. Hieraus ergeben sich neue Aufgaben und Anforderungen an die in der Versorgung Beteiligten. Die Angehörigen als größte Gruppe der Beteiligten in diesem Kontext, werden heutzutage noch zu selten als bedeutsamer Teil des therapeutischen Erfolgs betrachtet. Zudem erhoffen wir uns durch die Erfassung bisheriger Erfahrungen von Angehörigen mit psychiatrisch Tätigen im klinischen Versorgungssetting eine Statusaufnahme der Wahrnehmung der Qualität bisheriger Versorgung. Dies dient auch der Möglichkeit zur Reflektion der psychiatrisch Tätigen ihrer eigenen Arbeit. Die Erfassung der Erwartungen soll einen Abgleich zu dem Selbstverständnis der psychiatrisch Tätigen bringen.

Ergebnisse: Aufgrund von Art und Umfang der Befragung konnten zahlreiche für die Praxis wichtige Ergebnisse generiert werden. Unter anderem konnte gezeigt werden, dass Angehörige insbesondere vor und nach einer Entlassung ihres erkrankten Angehörigen unter einem großen Belastungserleben leiden. Darüber hinaus ging aus den Ergebnissen hervor, dass von allen in der Klinik tätigen Berufsgruppen die psychiatrisch Pflegenden diejenigen sind, die die meisten Kontakte zu Angehörigen haben.

Diskussion/Schlussfolgerung: Die Ergebnisse geben deutliche Hinweise darauf, dass Angehörige bei der Behandlung dringend mit einbezogen werden müssen, jedoch dieser Einbezug bisher zu wenig stattfindet. Kommt es jedoch zu einem Einbezug, führt dies neben einem verbesserten Wohlbefinden der Angehörigen oftmals auch zu einem verbesserten und nachhaltigeren Outcome des erkrankten Angehörigen selbst. Darüber hinaus erscheint es als wichtig, dass die psychiatrisch Pflegenden ihre Verantwortung in der Angehörigenarbeit annehmen und dies durch entsprechende Maßnahmen ausgestalten.

Ablauf: 
- Vorstellung der Ergebnisse aus der Befragung 
- Diskussionsrunde zu den Ergebnissen und sich hieraus für die Praxis ergebenden Konsequenzen 
- Darstellung von Möglichkeiten eines verbesserten Einbezugs der Angehörigen

Lernziele: 
- Die Teilnehmenden erhalten relevante Informationen zu den Ergebnissen einer im Jahr 2017 durchgeführten Angehörigenbefragung 
- Die Teilnehmenden erfahren etwas über die Möglichkeiten eines verbesserten Angehörigeneinbezugs

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