Cannabis – Legalisierung und Abhängigkeiten

Die bevorstehende (Teil)Legalisierung von Cannabis wird aus Sicht der Psychiatrie problematische Folgen haben. Die Entkriminalisierung wird zu vermehrtem Konsum führen, was höchstwahrscheinlich auch mehr konsuminduzierte Probleme nach sich ziehen wird, insbesondere bei jungen Menschen. Das bedeutet: mehr Abhängigkeiten mit all ihren sozialen Folgen, mehr kognitive Beeinträchtigungen und auch mehr Psychosen. Aber noch ist das Gesetz nicht verabschiedet. Noch besteht die Möglichkeit, mit den richtigen Weichenstellungen negative Folgen zu verhindern. 

Prof. Dr. Euphrosyne Gouzoulis-Mayfrank
President Elect der DGPPN:

„Zentral sind aus Sicht der DGPPN insbesondere die Anhebung des Mindestalters und die Absenkung der freigegebenen Mengen. Die Entwicklung des menschlichen Gehirns ist erst mit etwa 25 Jahren abgeschlossen. Wird Cannabis bereits im Jugendalter konsumiert, kann das, insbesondere bei regelmäßigem Konsum, die Hirnentwicklung tiefgreifend beeinträchtigen.

Hinzu kommt, dass die im Gesetz vorgesehenen Mengen weit über das hinaus gehen, was Erwachsene bei einem wenig problematischen Freizeitkonsum verbrauchen könnten. Diese Mengen entsprechen problematischen Konsummustern, die Abhängigkeiten und weitere gesundheitliche Schäden zur Folge haben können.

Wichtig ist deshalb, dass jetzt sofort die Prävention erheblich intensiviert und nachhaltig finanziert wird. Auch die Suchtberatungs- und Behandlungseinrichtungen müssen gestärkt und besser ausgestattet werden. Schon jetzt hat die Diskussion der vergangenen Jahre dazu geführt, dass Cannabis als weniger riskant eingestuft wird – auch von Jugendlichen, die ja angeblich durch das Gesetz geschützt werden sollen.

Noch ist es nicht zu spät, um Änderungen am Gesetzentwurf vorzunehmen: die Mengen zu reduzieren, das Mindestalter zu erhöhen und mehr Mittel für Prävention, Behandlung und Forschung bereitzustellen.“

Kongressveranstaltungen zum Thema
  • Mi. 15:30 Uhr, Lecture Eva Hoch: Cannabis, Cannabinoide und cannabisbezogene Störungen
  • Do. 13:30 Uhr, Symposium: Suchtkonzepte: Ist die Sucht eine klassisch psychische Erkrankung und wenn ja, warum gibt es so viel Abgrenzung?
  • Fr. 13:30 Uhr, Symposium: Aktuelle Herausforderungen in der Suchtmedizin
  • Fr. 15:30 Uhr, Symposium: Epidemiologie des Substanzgebrauchs und der Suchtstörungen im Jugend- und jungen Erwachsenenalter
Literatur
  • Cannabis-Gesetz: Maßnahmen für Prävention und Begleitforschung reichen nicht aus | Stellungnahme der DGPPN vom 19.07.2023
  • Hjorthøj C et al (2023) Association between cannabis use disorder and schizophrenia stronger in young males than in females. Psychol Med. 4:1-7. https://doi.org/10.1017/S0033291723000880
  • Wickelgren I (2023) Smoke alarm. Science 381. https://doi.org/10.1126/science.adk5712
  • Di Forti M et al (2019) The contribution of cannabis use to variation in the incidence of psychotic disorder across Europe (EU-GEI): a multicentre case-control study. The Lancet 6:427-436. https://doi.org/10.1016/S2215-0366(19)30048-3

DGPPN-Expertin: Prof. Dr. Euphrosyne Gouzoulis-Mayfrank

Die künftige Präsidentin der DGPPN ist Ärztliche Direktorin eines psychiatrischen Fachkrankenhauses (LVR-Klinik Köln) und leitet die Sektion Versorgungsforschung am LVR-Institut für Forschung und Bildung. Aktuell koordiniert sie die Entwicklung einer neuen S3-Leitlinie zum Thema Komorbidität Sucht und Psychose, die durch den Innovationsfonds des G-BA gefördert wird. Sie hat das DGPPN-Positionspapier zur Cannabislegalisierung mitverfasst.

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Dipl.-Psych. Katja John
Pressestelle
DGPPN-Geschäftsstelle
Reinhardtstraße 29 I 10117 Berlin
Telefon: 030 2404772-11
pressestelle@dgppn.de
 

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