Demenzen

1,6 Millionen Menschen sind in Deutschland aktuell an einer Demenz erkrankt. Da unsere Gesellschaft immer älter wird, steigt diese Zahl stetig: Bis zum Jahr 2050 könnten 2,8 Millionen Menschen an Alzheimer und anderen Demenzen leiden. In der Forschung sind in den letzten Jahren erhebliche Fortschritte im Bereich der Diagnostik und Therapie erzielt worden, allerdings ist die Erkrankung bis heute nicht heilbar. Mit einer frühen Diagnostik und optimalen medizinischen und pflegerischen Versorgung kann aber der Krankheitsverlauf positiv beeinflusst werden. Betroffenen die bestmögliche Therapie zu ermöglichen, ist das Ziel der jetzt neu erarbeiteten S3-Leitlinie Demenzen. Sie wurde unter gemeinsamer Federführung der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) und der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) erstellt und umfasst insgesamt 109 Empfehlungen zur Diagnostik und Behandlung von Demenzen. 

Prof. Dr. Frank Jessen 
federführender Ko-Autor der neuen S3-Leitlinie Demenzen:

„Die neue S3-Leitlinie Demenzen fasst die Empfehlungen für eine optimale Versorgung zusammen. Mehr als 30 Delegierte aller Fachrichtungen sowie Angehörige und Betroffene haben die Leitlinie gemeinsam unter Federführung von DGN und DGPPN erarbeitet.

Die neue Leitlinie macht umfassende Empfehlungen für die ganzheitliche Behandlung der erkrankten Menschen. Sie berücksichtigt biologische, psychologische und soziale Aspekte und richtet sich mit Hinweisen zu Diagnostik, Therapie, Betreuung und Beratung an alle Fachleute, die mit Menschen mit Demenzen zu tun haben, außerdem an Betroffene und Angehörige.

Die wichtigste Neuerung ist die Möglichkeit, die Diagnose bereits in einem frühen Stadium der Erkrankung zu vergeben. Während bislang für die Diagnose Demenz die Selbstständigkeit der Menschen deutlich beeinträchtigt sein musste, kann den Betroffenen mit der Diagnose der ‚leichten kognitiven Beeinträchtigung bei einer Alzheimer-Krankheit‘ künftig deutlich früher ein Behandlungsangebot gemacht werden. So können wir das Fortschreiten der Erkrankung verlangsamen.

Die neue Leitlinie wird erstmals nicht nur als Textdokument veröffentlicht, sondern auch in digitaler Form in der nicht kommerziellen Web-Plattform „MAGICApp“. Diese digitale Darstellung ermöglicht es, unmittelbar auf die Leitlinie und jede einzelne Empfehlung zuzugreifen. Auch die Studien, die den Empfehlungen zugrunde liegen, können direkt aus MAGICApp aufgerufen werden. Ein weiterer Vorteil der digitalen Leitlinie: Neue Erkenntnisse können in die Empfehlungen schnell aufgenommen werden, sobald ihre Wirksamkeit nachgewiesen ist.“

Kongressveranstaltungen zum Thema
  • Mi. 15:30 Uhr, Symposium: Früherkennung und Prävention der Demenz – Bedarfsanalysen und Maßnahmen der Demenzprävention
  • Do. 10:15 Uhr, State-of-the-Art Symposium: Demenzen
  • Fr. 13:30 Uhr, Symposium: Advance Care Planning: Möglichkeiten der gesundheitlichen Vorausplanung bei Menschen mit psychischen Erkrankungen
  • Fr. 08:30 Uhr, Symposium: Herausforderungen der hausärztlichen Versorgung alter Menschen am Beispiel der Depression und Demenz
  • Fr. 10:15 Uhr, Symposium: Lebensstilbasierte Demenzprävention – ist das möglich?
Literatur
  • Jessen F et al (2023) Die S3-Leitlinien Demenzen. Nervenarzt 94:609–613. https://doi.org/10.1007/s00115-023-01492-6

DGPPN-Experte: Prof. Dr. Frank Jessen 

Das DGPPN-Vorstandsmitglied leitet die Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Uniklinik Köln. Er ist federführender Ko-Autor der „S3-Leitlinie Demenzen“ und leitet die Kooperationseinheit Köln am Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE). Er forscht insbesondere zur Früherkennung und Entwicklung von Therapien der Alzheimer-Demenz.

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Dipl.-Psych. Katja John
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