Psychiatrische Kliniken in der Krankenhausreform 

Die von Bundesgesundheitsminister Lauterbach angestoßene Krankenhausreform verfolgt drei zentrale Ziele: Entökonomisierung, Sicherung und Steigerung der Behandlungsqualität sowie die Entbürokratisierung. Das wichtigste Anliegen ist die Versorgungssicherheit. Statt kleiner Änderungen hier und da plant die Regierungskommission den großen Wurf. Allerdings sparten die initialen Empfehlungen der Kommission die psychiatrischen Krankenhäuser zunächst aus. Da aber viele Fachabteilungen an Allgemeinkrankenhäusern angesiedelt sind, wird auch die stationäre psychiatrische Versorgung von den Plänen berührt. Welche Auswirkungen sind zu erwarten? Und in welchem Verhältnis stehen sie zu den psychiatrieinternen Struktur-Reformbemühungen? Gerade hat die die Kommission eine „Stellungnahme und Empfehlung Psychiatrie, Psychosomatik und Kinder- und Jugendpsychiatrie („Psych-Fächer“)“ veröffentlicht. 

Prof. Dr. Tom Bschor
Vorsitzender der Regierungskommission für die Krankenhausreform:

„Erst bei meiner Arbeit an der großen Reform des Krankenhaussystems in Deutschland habe ich erkannt, wie zukunftsweisend und vorbildlich die psychiatrische Krankenhausversorgung aufgestellt ist. Vieles, was für uns selbstverständlich ist, wird jetzt für die Somatik diskutiert. Dort wird die Bedeutung der DRGS, der diagnosebezogenen Fallgruppen, mit ihrem Fehlanreiz auf immer mehr Behandlungen in immer kürzerer Zeit gerade deutlich abgeschwächt, während aus gutem Grund diese Fallpauschalen in der Psychiatrie nie eingeführt wurden. Seit Kurzem gibt es in vielen somatischen Bereichen Mindestvorgaben für das Pflegepersonal, während die Psychiatrie zum Schutz der Patientinnen und Patienten schon seit Jahrzehnten Personalvorgaben für alle Berufsgruppen hat. Mit der regionalen Pflichtversorgung ist die Psychiatrie das einzige medizinische Fach, bei dem die Krankenhausplanung nach einem klaren Bevölkerungsbezug erfolgt. 

Vorbildlich ist auch die in psychiatrischen Kliniken selbstverständliche Möglichkeit, neben einem vollstationären Angebot auch tagesklinisch, in der Institutsambulanz oder aufsuchend zu behandeln. Aber auch die Psychiatrie muss sich weiterentwickeln, um auch zukünftig dieser Vorreiterrolle gerecht zu werden. Ein wesentlicher Schritt ist dabei, dass die verschiedenen Behandlungssettings noch flexibler miteinander verknüpft und aus einem Guss angeboten werden. Die über 20 Modellprojekte nach § 64b SGB V haben gezeigt, wie das geht. Nach deren durchgehend positiver wissenschaftlicher Evaluation ist die Zeit reif, dieses Konzept in die Regelversorgung zu überführen.“

Kongressveranstaltungen zum Thema
  • Mi 13:30 Uhr, Lecture Tom Bschor: Psychiatrie in Deutschland: Vorreiter oder Stiefkind der Gesundheitsversorgung? Einschätzungen und Empfehlungen der Regierungskommission Krankenhäuser
  • Do 17:15 Uhr, Symposium: Auswirkungen der geplanten Krankenhausstrukturreform auf die psychiatrische Versorgung: Chancen und Risiken
  • Fr 13:30 Uhr, Diskussionsforum: Globalbudgets in der psychiatrischen Krankenhausversorgung – für alle? Ab wann? Wie?

Experte: Prof. Dr. Tom Bschor

Der Berliner Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie wurde von Karl Lauterbach als Leiter und Koordinator der „Regierungskommission für eine moderne und bedarfsgerechte Krankenhausversorgung“ berufen. 

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